Sie kennt deine Liebesgeschichte besser als du selbst
Ein Gespräch über Rituale, Tränen hinter dem Mikrofon und warum der schönste Moment oft der unerwartetste ist.
Ein Interview mit Traurednerin Angelina Kropp

Persönlich. Überraschend. Unvergesslich.
Wobei drei Worte eigentlich nicht reichen. Meine Trauungen sollen sich anfühlen wie das Paar selbst. Mit den Geschichten, den Menschen und den kleinen Dingen, bei denen alle denken: „wow, genau so sind die beiden!“
2) Für wen sind Wunderworte Trauungen?
Für alle, die sich lieben.
Bei mir spielt es keine Rolle, welche Sexualität, Herkunft, Religion, oder Lebensgeschichte ein Paar mitbringt. Liebe sieht für jeden Menschen anders aus und genau das macht sie spannend. Meine Aufgabe ist es nicht, Paare in ein bestimmtes Konzept zu pressen, sondern eine Zeremonie zu gestalten, die zu ihnen passt.
3) Viele kennen nur das Ja-Wort und den Ringtausch. Was ist heute eigentlich noch alles möglich bei freien Trauungen?
Fast alles.
Viele Paare wissen gar nicht, wie viel Freiheit sie bei einer freien Trauung haben. Es gibt keine Regeln, die sagen, wie eine Zeremonie ablaufen muss.
Weil ich finde, dass eine freie Trauung mehr sein darf, als nur zuzuhören.
Natürlich ist die Traurede das Herzstück einer freien Trauung. Aber ich liebe die Momente, in denen Paare etwas gemeinsam erleben, statt es nur erzählt zu bekommen.
Deshalb entwickle ich Rituale, die wirklich zu den Menschen passen. Keine Bastelvorlage aus dem Internet, die schon hundertmal gemacht wurde wie das Sandritual oder die Zeitkapsel. Sondern etwas, das ihre Geschichte erzählt.

Da gibt es einige Kandidaten.
Ein Paar musste zum Beispiel die Zutaten für seinen persönlichen Hochzeitscocktail (mit Farbwechsel) aus einem Eisblock befreien. Die Zutaten standen dabei symbolisch für ihre Beziehung.
Ein anderes Paar hat sich selbst als Wikinger auf einer Leinwand gesehen und die Gäste haben nach der Trauung ihre Wünsche auf digitale Rhunen gesprochen. So hat das Brautpaar für immer die Stimmen ihrer Liebsten zuhause.
Wie verrückt oder klassisch es werden soll entscheiden meine Paare.
Mein Ziel ist es Rituale zu entwickeln, die nicht einfach nur hübsch aussehen, sondern eine echte Bedeutung haben. Worte kann man vergessen aber kein Gast wird vergessen, weshalb wir das Ritual gemacht haben und welche Symbolik es hatte.
6) Wie lernst du ein Paar wirklich kennen?
Zuerst Online beim Kennenlernen. Ich höre mir ihre Wünsche und Vorstellungen an und ich erkläre mein Konzept.
Wenn die Chemie und die Vorstellungen übereinstimmen beantworten mir die Pärchen Fragebögen. Ich bekomme liebevolle und humorvolle Insider von Herzensmenschen wie Freunde, Trauzeugen und Eltern. Und dann verbringen wir oft mehrere Stunden zusammen beim Traugespräch.
Aus allen Infos entwickle ich dann die Zeremonie.
7) Was passiert, wenn ein Paar sagt: „Wir sind eigentlich gar nicht romantisch?“
Dann grinse ich.
Denn Romantik sieht für jeden anders aus.
Nicht jedes Paar schreibt sich Liebesbriefe oder schaut sich bei Sonnenuntergang tief in die Augen.
Manche zeigen Liebe, indem sie morgens das Auto freikratzen. Den letzten Keks teilen. Oder nachts zur Apotheke fahren.
Die schönsten Liebesgeschichten entstehen oft genau dort, wo Menschen einfach sie selbst sind. Es ist meine Aufgabe genau solche Details herauszuhören.
8) Musstest du schon einmal während einer Rede selbst weinen?
Ja.
Und ich glaube, das ist völlig in Ordnung.
Ich sitze oft monatelang mit den Geschichten meiner Paare. Ich kenne ihre Höhen, ihre Tiefen und manchmal auch die schweren Kapitel ihres Lebens.
Da gibt es Momente, die mich berühren wie z.B. als einer meiner Bräute so traurig war, dass ihr verstorbener Papa sie nicht zum Altar bringen konnte und dann hat die Trauzeugin ihr ein Gemälde zeichnen lassen wo sie mit ihrem Papa beim Hochzeitstanz zu sehen ist.
Ich versuche natürlich, professionell zu bleiben. Aber ich finde, ein bisschen Gefühl darf sein.
Wenn Gäste zu mir kommen und sagen:
„Ich dachte eigentlich, freie Trauungen wären langweilig. Aber das war die schönste Zeremonie, die ich je erlebt habe.“
Oder:
„Ich habe das Paar heute noch einmal ganz neu kennengelernt.“
Genau dafür mache ich das.

10) Was sollen Gäste auf dem Heimweg über eine Trauung von dir sagen?
Am liebsten:
„Ich habe gelacht, geweint, und Gänsehaut gehabt“
oder
„Ich wünschte so hätte ich vor 30 Jahren auch heiraten können“
oder
„Meine Hochzeit soll auch so persönlich sein“
Denn genau das ist mein Anspruch.
Nicht meine Handschrift soll im Mittelpunkt stehen.
Sondern die Geschichte des Paares.